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"Jede Frau sollte mindestens einmal in ihrem Leben blond gewesen sein."

'Na gut', dachte ich mir und ließ mich von meiner Agentur für die Alcina blonde-Kampagne vorschlagen. Entgegen meiner Erwartung bekam ich den Job und fuhr nach Bielefeld in das Headquarter der Dr. Wolff-Gruppe, zu der neben der Kosmetik- und Haarpflege Marke Alcina unter anderem Plantur 21, Alpecin ("Doping für die Haare"), Biorepair und Linola ("Danke Lino!") mit zur Familie gehören. Ah, mal wieder was gelernt! Nachdem der grobe Fahrplan vom Kampagnen-Chef für die nächsten zwei Tage vorgestellt wurde, war mir und auch allen anderen Beteiligten sofort klar, dass es kein Kinderspiel werden würde, meine Haare vom doch eher kräftigen dunklen braun in ein platinblond zu verwandeln.


Ich muss dazu sagen, dass ich zuvor noch nie in meinem Leben meine Haare gefärbt hatte, abgesehen von ein paar blonden Strähnen, als ich zwölf war. (Da waren gerade Blocksträhnen angesagt - wunderschön!) Und auch sonst habe ich meine Haare immer gut behandelt. Hatte ich nicht gerade einen Modeljob, wurden sie nie geglättet, nur super selten geföhnt und mit Naturshampoo gewaschen. Deshalb war ich der Meinung, dass sie diese einmalige Strapaze schon überleben würden. 

Ich selbst konnte mir zuvor nicht wirklich vorstellen, blonde Haare zu haben. Meine Schwester hat blonde Haare und ihr steht das auch wirklich ausgezeichnet. Aber ich und auch meine Familie und Freunde waren immer der Meinung, dass ich doch auf jeden Fall eher der 'dunkle Typ' wäre. Deshalb hatte ich mir auch vorsorglich einen Termin bei meinem Stammfriseur gemacht, um es nach dem Shooting möglicherweise ganz schnell rückgängig machen zu können.

Aber zurück nach Bielefeld. Ich habe ganz vergessen, den wichtigsten Mann vor Ort vorzustellen: Paul Gehring. Denn der gebürtige Holländer gehört zu den Trendsettern der Haarstyling-Szene. Ich vertraute ihm und mochte ihn sofort, schon allein, weil er seit langer Zeit in Barcelona lebte und mit seiner Frau die ganze Zeit spanisch redete, was in meinen Ohren wie eine kreative Melodie klang. Paul legte dann unsere exakten Blondnuancen fest und schwuppdiwupp (sieben Stunden harte Arbeit, inklusive ein paar Zwischenschritten, die ich versuche, aus meinem Kopf zu verdrängen, später) war ich auch schon blond. Genauer gesagt, war es eine Mischung aus weiß- und silberblond. 

Ich sah in den Spiegel und war echt überrascht. Entgegen all meiner Befürchtungen fand ich es irgendwie cool. Und die anderen auch, aber die hatten mich ja auch für den Job gebucht und konnten jetzt schlecht einen Rückzieher machen. Aber nein, ich kam mir komischerweise überhaupt nicht fremd vor. Es war so ein kühler Blondton - ich mochte es irgendwie. Es war anders, total! Aber irgendwie cool. 

Ich war wirklich gespannt, wie mein Umfeld auf diese doch sichtbare Veränderung reagieren würde. Überraschenderweise bekam ich bisher durchweg positives Feedback. Natürlich fielen auch mal Wörter wie: krass! Manche waren überrascht, dann aber mega begeistert! Die Leute fanden, dass es mir stand und dass ich der Typ dafür bin. Ah ja, soviel also zum Thema Typ... Also war ich von nun an blond. 

"Jede Frau sollte mindestens einmal in ihrem Leben blond gewesen sein."

Diesen Spruch kannte ich bis vor kurzem überhaupt nicht... 

Ich werde sicherlich spätestens in ein paar Monaten zu meiner Naturhaarfarbe zurückkehren, und doch ist es definitiv eine super spannende Erfahrung für mich ist, einmal blond zu sein. Denn obwohl ich irgendwie ich selbst geblieben bin, fühle ich mich doch anders und werde wohl auch anders wahrgenommen. Aber vielleicht ist es ja auch nur Gewöhnung?

Es ist schon erstaunlich, wie sehr Haare einen Menschen verändern können. Auf einmal sehe ich nicht mehr aus, wie das liebe nette Mädchen von nebenan, sondern irgendwie rockiger, rotziger und vielleicht auch ein bisschen mehr sexy. Das sagt man mir zumindest... Ich finde es spannend, wie allein die Veränderung der Haarfarbe die äußere Wahrnehmung beeinflussen kann.

Im Gegensatz zu vielen anderen Frauen gehe ich mit dem Thema Haare mittlerweile sehr entspannt um, habe kein Problem damit, meine Haare abzuschneiden oder mal etwas Neues auszuprobieren. Die wachsen ja wieder...

Dass ich da so schmerzfrei bin, habe ich aber vermutlich auch meinem Dad zu verdanken, der mich bis zum circa vierten Lebensjahr regelmäßig ins Bad geschleift und mir die Haare bis auf einen Zentimeter kurzgeschoren hat. 


 Und doch hatte ich so mit 14/15 meine Girly-Phase, in welcher ich mich gerne hinter meinen Haaren versteckt habe. 

Denn wenn wir mal ehrlich sind, tun Haare doch in erster Linie eins: Verstecken. 

Es gibt sehr wenige Menschen, die sich komplett ohne Haare wohlfühlen. Ich glaube, dass man erst in Situationen, in denen man aus gesundheitlichen Gründen seine Haare verliert, erkennt, wie sehr wir uns tatsächlich hinter unseren Haaren verstecken, wie sie uns Schutz geben, wie entblößt man sich plötzlich ohne Haare fühlt, dann aber ziemlich schnell feststellt, wie scheißegal das ist, verglichen mit anderen Dingen, die wirklich wichtig sind. Gesundheit.

Deshalb ist es egal, ob ich blond-, braun-, rot- oder irgendwann grauhaarig bin! Ich werde immer Ich sein. Haare verändern uns nur äußerlich. 

Deshalb ist doch das Wichtigste, dass wir uns mit Haut und Haaren wohlfühlen. 

Die Fotos sind von Benedikt Ernst. Sie sind nicht vom Alcina-Shooting, diese darf ich noch nicht veröffentlichen. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Manuela Küchenmeister (Mittwoch, 29 November 2017 16:59)

    Wahnsinn Luise! Und ich habe echt gedacht, es wäre eine Perücke! Sehr mutig, tolles Ergebnis, schön geschrieben :-)

  • #2

    Habib (Dienstag, 10 April 2018 21:28)

    Sehr schön geschrieben ;)
    Dir steht auf jeden Fall beides sehr gut !

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